In hochwertige und bedarfsorientierte Lern- und
Qualifizierungsangebote für Erwachsene zu investieren – das rechnet
sich in jedem Fall! Denn ein hohes und stetig wachsendes Bildungs- und
Qualifikationsniveau der Menschen ist entscheidend für den
wirtschaftlichen Erfolg im globalen Wettbewerb.
Viel zu viele Menschen finden keine Arbeit oder haben Probleme, diese
zu behalten. Dafür gibt es viele Gründe, aber entscheidend sind oft die
fehlenden oder mangelnden Qualifikationen des Betroffenen, oder dass
deren Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt sind. Weil
immer mehr Produktionen und Dienstleistungen in Billiglohnländer
verlegt werden, gibt es zudem immer weniger Jobs für ungelernte
Arbeiter/-innen. Das Risiko für (dauerhafte) Arbeitslosigkeit tragen
deshalb Menschen mit keinem oder niedrigem Ausbildungsniveau. Hinzu
kommt, dass die europäischen Gesellschaften seit Jahrzehnten altern und
es immer weniger junge Menschen gibt. Deshalb werden verstärkt ältere
Arbeitnehmer gefragt sein, die im Laufe ihrer Berufslaufbahn umfassende
Fachkenntnisse gesammelt haben und nicht vorzeitig in Rente gehen.
Angesichts der aktuellen Rentenkrise bedeutet das also für viele
Menschen, dass sie länger arbeiten und sich erst später zur Ruhe setzen
können. Es ist also aus wirtschaftlichen Gründen für jede/n Einzelne/n
und die gesamte Gesellschaft absolut notwendig, sich ständig
weiterzubilden und ein Leben lang zu lernen.
Aber nicht nur unter ökonomischen Gesichtspunkten ist Bildung für den Einzelnen und die Gesellschaft wichtig: sie hat auch positive soziale und gesundheitliche Auswirkungen. Laut einer britischen Studie sind Menschen, die an Bildungsmaßnahmen teilnahmen, auch eher bereit, wählen zu gehen oder sich ehrenamtlich in ihren Gemeinden zu engagieren. Lernen fördert also die Toleranz und stärkt den sozialen Zusammenhalt. Lernen verändert das Leben der Menschen und eröffnet ihnen neue Horizonte. Diese große Bedeutung des lebenslangen Lernens hat die EU erkannt und konkrete Bildungsziele für den Zeitraum bis 2010 formuliert. So sollen besonders die 25- bis 64-Jährigen mehr an Bildung beteiligt werden.
Trotzdem bleibt der Zugang zum Lernen und zur Aus- und Weiterbildung ungleich verteilt. Ob Erwachsene die Bildungschancen wahrnehmen, hängt stark von ihrem Schul- und Bildungsniveau ab. So nehmen Geringqualifizierte deutlich weniger an Bildungsmaßnahmen teil als Höherqualifizierte. EU-weit nahmen 77 Prozent der Menschen mit höherem Bildungsabschluss später Lernangebote wahr – aber nur 31 Prozent der Menschen mit niedrigem Schulabschluss.
Die Bereitschaft sich weiterzubilden hängt aber auch vom Beschäftigungsstatus ab. Auf EU-Ebene haben 2003 21 Prozent der Beschäftigten an informellen Lernmaßnahmen teilgenommen; demgegenüber stehen aber nur 14 Prozent Nichtbeschäftigte und 6 Prozent der nicht aktiven Bevölkerung. Untersuchungen in Großbritannien ergaben zudem, dass junge Erwachsene sehr viel eher an Bildungsmaßnahmen teilnehmen als ältere Erwachsene. Auch ist die Teilnahme an Lernangeboten bei einigen – nicht bei allen – schwarzen und anderen ethnischen Minderheiten niedrig.
Dies macht deutlich, dass neue und bessere Wege beschritten werden müssen, um Menschen wieder an das Lernen und an Weiterbildung heranzuführen. Wir müssen dafür sorgen, dass neue Lern- und Bildungsangebote für bildungsferne Personengruppen geschaffen werden, die einen größeren Bezug zu deren Lebens- und Arbeitswelt haben und leichter zugänglich sind. Es müssen Wege gefunden werden, damit Lernen für jeden Menschen etwas Selbstverständliches ist, ihnen in ihrem Alltag weiter hilft und so motiviert, sich dauerhaft auf die Lernreise zu begeben.
Das ist nicht immer einfach. Vielen Menschen fällt es schwer, sich auf den Weg zum Lebenslangen Lernen zu begeben. Aber auch für Bildungsanbieter ist es nicht immer leicht, ihre Bildungsangebote und Methoden im großen Stil zu verändern und anzupassen. Dennoch ist es möglich, Menschen – vor allem benachteiligte und bildungsferne – für das Lernen zu begeistern und neue, erfolgreichere Ansätze für die Förderung des Lebenslangen Lernens umzusetzen. Und der Aufwand lohnt sich: die Betroffenen, ihr soziales Umfeld und die Kommunen werden dadurch gestärkt. Bildung gibt Menschen eine Stimme, sie gibt ihnen Einfluss und eröffnet letztlich ganz neue Möglichkeiten und Horizonte.
Die Geschichten jener Menschen, die in dieser Broschüre und auf der begleitenden DVD erzählt werden, zeigen deren individuelle Lernreisen und wie sehr sich dadurch sowohl ihr Leben als auch das ihrer Familien und ihrer Umgebung verändert hat. Über die Macht des Lernens und ihre positive Wirkung im Leben weiterer Menschen finden Sie mehr unter http://www.learningvoices.com/ im Internet.
Diese Broschüre und die begleitende DVD wurde von einer Gruppe europäischer Partner/-innen des EQUAL-Projekts ‘Bridges Over Borders’ erstellt. Die Partner/-innen kommen aus Großbritannien, Deutschland, Österreich, der Tschechischen Republik und aus Ungarn. Die DVD zeigt anschaulich, wie es ihnen auf unterschiedliche und innovative Weise gelungen ist, Menschen zum Lernen zu motivieren, bedarfsorientierte und hochwertige Lernangebote zu machen und vorhandene Barrieren abzubauen.
Die Broschüre bietet Ihnen zudem zusätzliche Informationen über die unterschiedlichen Herangehensweisen, Schwierigkeiten und Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung; zudem erfahren Sie, wo Sie weiterführende Informationen und Ansprechpartner finden können.