Empowerment und Einbindung von Zielgruppen

  1. Gedicht
  2. Stimmen von Teilnehmern unserer Projekte
  3. Zielsetzung des Empowerments und der Einbindung der Zielgruppen
  4. Zielgruppen der Entwicklungspartnerschaft
  5. Bewertung der derzeit auf dem Arbeitsmarkt bestehenden Ausgrenzungen, Diskriminierungen und Ungleichheiten
  6. Welchen Personengruppen fällt die Eingliederung in den regionalen Arbeitsmarkt schwer?
  7. Erklärung, warum der Zugang bzw. die Rückkehr in den Arbeitsmarkt diesen Personengruppen Schwierigkeiten bereitet
  8. Welche Bedürfnisse haben diese Personengruppen?
  9. Welche Probleme müssen vordringlich angegangen werden?
  10. Wie geht man vor, um die Bedürfnisse aller Gruppen von potentiell Begünstigten zu berücksichtigen?
  11. Umsetzung des Empowerments und der Einbindung der Zielgruppen



Hat es
Eine Seele unser täglicher Ansturm,
gegen diese Chancenlosigkeit
die unser Dasein auch täglich umgibt?

Leider viel zu oft die Frage,
die wir uns alle zusammen stellen,
diesen qualifizierten Menschen
die unsere Frage einfach "hören"

Aber nicht wirklich "verstehen",
Nicht wirklich uns(er) annehmen,
es nicht in sich lassen
Sie es nicht so bewegt wie uns.

Ich! Höre und verstehe dies hier und heute,
und fast schon kommt ein Geist zum Vorschein
der doch Euch alle anstecken möge,
die zur Durchsetzung unseres Zieles dient.

Ein großer Dienst,
der die Seele braucht die wir haben
um uns nicht wieder zu diskriminieren,
dann und dann können wir diese Brücke bauen von ROLAND SEID
(Teilnehmer der Maßnahme "Step by Step" der vhs Cham, Nov. 2002)

Stimmen von Teilnehmern unserer Projekte


Ich war vor ca. 1 Jahr bei Ihnen in der Bewerbungsberatung und arbeite seit meinem Vorstellungsgespräch in der Firma LAFUWA (www.lafuwa.de) als Laborleiter der Mikrobiologie. Sie haben mir damals so viel Schwung und Mut mit auf den Weg gegeben, dass ich den Job bekommen habe und dafür möchte ich mich kurz bei Ihnen bedanken. Wir ziehen demnächst in ein größeres und schöneres Gebäude und die Arbeit macht mir viel Spaß. Ich finde es toll, dass es Ihre Einrichtung in einer strukturschwachen Gegend wie der unseren gibt.
M. Klein, Teilnehmer Coachingstelle FRG (31.03.2004)


Ich möchte mich bei Ihnen für Ihre Unterstützung in Bezug auf mein Bewerbungsprofil und für die vielen hilfreichen Ratschläge zur Verbesserung meiner Bewerbungschancen ganz herzlich bedanken.
Dank Ihrer freundlichen und organisierten Unterstützung ist es mir im vergangenen Jahr gelungen, zusammen mit einem starken Partner den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. Nach ersten Wochen und Monaten der Einarbeitung kann ich mit Stolz sagen, der Schritt hat sich gelohnt.
Ich möchte an dieser Stelle betonen, dasss mir Ihr Projekt wesentlich mehr geholfen hat als das Arbeitsamt oder andere Einrichtungen der beruflichen Bildung.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie noch vielen Menschen gerade in unserer Region helfen können, wieder berufliche Perspektiven zu entwickeln.
S. Schlutz, Teilnehmer Coachingstelle FRG (16.02.2004)


Gerne bestätige ich Herrn Lothar Petzinger eine sehr förderliche Beratung im Zusammenhang mit meinem Berufswechsel aus der Bundeswehr in die freie Wirtschaft.
Im Schwerpunkt beriet mich Herr Petzinger bzgl. der Gestaltung des Anschreibens und Lebenslaufs und zeigte mir hierbei Momente auf, die in Personalabteilungen besondere Beachtung finden.
Darüber hinaus konnte er vielversprechende Kontakte vermitteln.
W. Sperger, Teilnehmer Coachingstelle FRG (30.01.2004)


Nach Beendigung unserer Zusammenarbeit im Bereich Coaching möchte ich Ihnen abschließend meinen Dank und meine Anerkennung aussprechen. Nicht zuletzt Ihrer engagierten kreativen Beratung und Schulung ist es zu verdanken, dass ich ohne Zeitverzug eine Anstellung gefunden habe, die sowohl meinen Vorstellungen des Aufgabenbereichs entspricht, als auch meine Vorstellungen der Verdienstmöglichkeiten voll befriedigt.
Ich hoffe, Sie werden auch in Zukunft den erfolgreichen Weg der Betreuung und Vermittlung von arbeitssuchenden Menschen fortführen können.
A. Müller, Teilnehmer Coachingstelle FRG (28.01.2004)


Zielsetzung des Empowerments und der Einbindung der Zielgruppen

Die Zielgruppen sollen partnerschaftlich innerhalb der Entwicklungspartnerschaft mitarbeiten können. Ziel ist es, die unterschiedlichen Kompetenzen und das Know-How der Zielgruppen für die Entwicklungspartnerschaft nutzbar zu machen. Es soll sichergestellt werden, dass alle beteiligten Akteure des regionalen Arbeitsmarktes, d.h. auch die betroffenen Arbeitssuchenden, voneinander lernen. Nur so kann die Strategie-, Umsetzungs- und Politikfähigkeit der Entwicklungspartnerschaft verbessert werden. Weiterhin soll erreicht werden, dass die Entscheidungen und Maßnahmen besser den spezifischen Bedürfnissen der Zielgruppen gerecht werden. Durch die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure sollen Synergieeffekte entstehen und genutzt werden.


Zielgruppen der Entwicklungspartnerschaft

Zu den Zielgruppen der Entwicklungspartnerschaft "Brücken zur Arbeit"/Equal-Ostbayern-GmbH zählen vor allem:

  • Ältere Arbeitslose
  • Asylbewerber
  • Ausländer
  • Aussiedler
  • Behinderte
  • Frauen
  • Langzeitarbeitslose
  • sozial benachteiligte Jugendliche

Für diese Personengruppen werden in den 4 Landkreisen Passau, Cham, Regen und Freyung-Grafenau diverse Projekte zur Integration in den Arbeitsmarkt durchführt.

Bewertung der derzeit auf dem Arbeitsmarkt bestehenden Ausgrenzungen, Diskriminierungen und Ungleichheiten

Grundsätzlich ist die Arbeitsmarktsituation im ostbayerischen Raum sehr angespannt: Durch die Grenzgängerregelung der billigeren Arbeitskräfte aus Tschechien, durch das Fehlen von größeren Industriebetrieben, einen unterdurchschnittlich vorhandenen Dienstleistungssektor sowie Infrastrukturproblem etc. Durch diese Vielfalt an Faktoren sind die Beschäftigungsmöglichkeiten von bestimmten Personengruppen noch zusätzlich eingeschränkt. Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt werden ergänzt durch Ungleichheiten aufgrund von Behinderungen, Ungleichheiten aufgrund des Alters, des Geschlechts und der Herkunft. Hinzu kommen Defizite bei der Qualifizierung bzw. Berufsausbildung, in manchen Branchen herrscht ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Auch bei der Chancengleichheit von Männern und Frauen gibt es auf dem regionalen Arbeitsmarkt großen Handlungsbedarf.

Welchen Personengruppen fällt die Eingliederung in den regionalen Arbeitsmarkt schwer?

  • Für Frauen ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt besonders schwierig. Für viele Frauen, insbesondere nach beendeter Ausbildung, nach einer Familienpause oder wenn sie bereits zur Gruppe der Älteren gehören, ist der Ausweg aus der Arbeitslosigkeit sehr oft mit Problemen verbunden. Erschwert wird der Verbleib, die Rückkehr bzw. der Einstieg ins Berufsleben durch die Tatsache, dass die ostbayerischen Betriebe nicht genügend Teilzeitarbeitsplätze anbieten sowie in der Gestaltung der Arbeitszeiten zu wenig flexibel sind.
  • Aufgrund des problematischen Arbeitsmarktes ist es auch für Ausländer und Aussiedler sowie Asylanten mit mangelnden Sprachkenntnissen schwer, eine Beschäftigung zu finden. Die Kenntnisse über die Berufslandschaft in Deutschland und die geforderten Kenntnisse und Fertigkeiten in den verschiedenen Berufen sind der Zielgruppe überwiegend unbekannt. Zusätzlich ist bei den Betroffenen meist ein mangelndes Selbstwertgefühl zu erkennen, das aus der Unsicherheit über die völlig neue Lebenssituation resultiert.
  • Langzeitarbeitslose und Sozialhilfeempfänger sind wahrscheinlich mit eine der problematischsten Personengruppen bei der (Wieder)Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Bei diesen sozial benachteiligten Personen wird die Integration in den Arbeitsmarkt durch die Tatsache verstärkt, dass die meisten entweder überhaupt nicht oder nur gering qualifiziert sind. Nach der Grenzöffnung zum Osten (Tschechien) hat der regionale Arbeitsmarkt durch die Grenzgängerregelung eine zusätzliche Belastung erfahren.
  • Nicht vergessen werden darf die große Gruppe der Älteren die immense Schwierigkeiten bei der Integration in das Berufsleben hat. Wie die Langzeitarbeitslosen haben ältere Arbeitssuchende oft mit Vorurteilen auf Arbeitgeberseite (z.B. eingeschränkte Leistungs- und Einsatzfähigkeit von Älteren) zu kämpfen, was eine Integration in den Arbeitsmarkt erheblich erschwert. Betriebe haben noch zu wenig erkannt, welchen Wert ältere Arbeitnehmer aufgrund ihres Erfahrungspotentials darstellen können.
  • Die Situation von Behinderten auf dem Arbeitsmarkt ist nach wie vor nicht einfach. Insbesondere das Risiko, längere Zeit arbeitslos zu bleiben, ist für diese Personengruppe besonders groß. Beratungen von KMUs in Bezug auf Fördermöglichkeiten bei der Einstellung von Behinderten sind kaum vorhanden und daher notwendig.
  • Die Gruppe der arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahre nimmt stetig zu. Gerade jugendliche Aussiedler und Ausländer haben derzeit wenig Chancen, den Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden bzw. eine Ausbildung zu machen.

Erklärung, warum der Zugang bzw. die Rückkehr in den Arbeitsmarkt diesen Personengruppen Schwierigkeiten bereitet

Für Frauen:
Die Gründe sind vielfältig. Zum einen gehört hierzu das eingeengte Berufswahlspektrum aufgrund der relativ langen Zeit der Familienpause. Durch die längere Auszeit finden die betroffenen Frauen nur schlecht Anschluss an die technische Weiterentwicklung, an neue Berufsinhalte und -anforderungen. Bei der Arbeitszeit sind eine mangelnde Flexibilität bei der Arbeitszeit sowohl bei den Arbeitgebern als auch bei den Berufsrückkehrerinnen zu erkennen. Die Nachfrage nach Teilzeit-Arbeitsplätzen ist wesentlich höher als das vorhandene Angebot. Im vorwiegend ländlich strukturierten Raum gibt es große Probleme bei der Kinderbetreuung. Gerade die Öffnungszeiten der Kindergärten im ländlichen Raum sind oft sehr ungünstig für Arbeitnehmer (z.B. von 8-12 Uhr!).

Behinderte:
Bei den Arbeitgebern sind die Vorurteile über mangelnde Leistungsfähigkeit und hohe Krankheitszeiten von Behinderten sehr groß. Erschwerend kommt die oft zu geringe Qualifikation der betroffenen Arbeitnehmer hinzu.

Ausländer, Aussiedler, Asylanten:
Die mangelnden Sprachkenntnisse sind mit Sicherheit das größte Problem. Hinzu kommt, dass schulische und berufliche Qualifizierungen aus Heimatländern in Deutschland oft nicht anerkannt werden. Außerdem tragen mangelnde Kenntnisse über Arbeitsmarkt und berufliche Anforderungen bei den Betroffenen sowie Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile bei den Einheimischen zusätzlich zu einer Verschärfung der Situation bei.

Langzeitarbeitslose und Sozialhilfeempfänger:
Bei einem Großteil dieser Zielgruppe erschweren vor allem mangelnde Qualifikation, aber auch persönliche und soziale Probleme die Integration bzw. die Rückkehr auf den Arbeitsmarkt. Viele Betroffene sind zudem sehr unflexibel, gerade was die Mobilität angeht. Unzureichende öffentliche Verkehrsmittel in den ländlichen Gegenden tragen darüber hinaus zu mangelnder Mobilität bei. Für alleinerziehende Mütter, die einen großen Anteil bei den Sozialhilfeempfänger darstellen, ist oft keine ausreichende Kinderbetreuungsmöglichkeit vorhanden.

Ältere Personen:
Gerade bei den Arbeitgebern herrschen oft Vorurteile vor, was die Leistungs- und Einsatzfähigkeit von älteren Arbeitnehmern angeht. Betriebe haben noch zu wenig erkannt, welchen Wert Ältere mit ihrer Erfahrung für die Firma darstellen können. Aufgrund des niedrigen Lohnniveaus in der Region der Entwicklungspartnerschaft leidet die Kaufkraft und damit einhergehend auch die Investitionskraft. Die wünschenswerte regionale Kreislaufwirtschaft kommt daher nicht zu dem erhofften Schwung.

Jugendliche:
Die Gruppe der Jugendlichen unter 25 Jahre, die
  1. die Regelschule vorzeitig abbrechen,
  2. keine berufliche Erstausbildung abschließen,
  3. keine Berufserfahrung aufweisen können
und damit große Schwierigkeiten haben, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren wächst deutlich an. Insbesondere jugendliche Ausländer und Aussiedler haben über die Sprach- und Orientierungsschwierigkeiten sowie die Nichtanerkennung erlernter Berufe hinaus altersbedingt sehr stark mit der Entwurzelung aus der alten Heimat zu kämpfen. Die Arbeitsmarktsituation und die persönlichen Defizite sind fast unüberwindbare Zugangsbarrieren.

Welche Bedürfnisse haben diese Personengruppen?

Die Bedürfnisse auf Seiten der Zielgruppen sind vielfältig:

  • Ausweitung des Berufswahlspektrums,
  • Begleitung bei der Berufswegeplanung
  • Profiling,
  • individuell zugeschnittene Qualifikationen,
  • ausreichende Sprachkenntnisse,
  • flexiblere Arbeitszeiten,
  • Unterstützung bei der Kinderbetreuung,
  • psycho-soziale Unterstützung,
  • Abbau von Vorurteilen durch Öffentlichkeitsarbeit und Informationen.

Welche Probleme müssen vordringlich angegangen werden?

Zur Bewältigung der vielfältigen Probleme muss ein ganzheitlicher Ansatz (Beratung – Qualifizierung – Beschäftigung) verfolgt werden. Die KMUs müssen gestärkt werden und die Sockelarbeitslosigkeit muss reduziert werden. In der Region ist vor allem auch die Mobilität zu fördern. Wichtig ist auch der Abbau von Vorurteilen bezüglich der einzelnen Zielgruppen sowie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Wie geht man vor, um die Bedürfnisse aller Gruppen von potentiell Begünstigten zu berücksichtigen?

Durch die Dezentralisierung der Einrichtungen soll eine bessere Erreichbarkeit für die Betroffenen geschaffen werden. Gruppenspezifische Coachingstellen sollen eine effiziente Beratung ermöglichen. Zusätzlich werden Mobilitätshilfen und Hilfen bei der Kinderbetreuung angeboten. Von besonderer Bedeutung beim Handlungsansatz von "Brücken zur Arbeit"/Equal-Ostbayern-GmbH ist die "Ganzheitlichkeit" aller Maßnahmen, d.h. z.B. die Begleitung während der Beratung bis hin zur Analyse, Qualifizierung, Vermittlung und Nachbetreuung.

Umsetzung des Empowerments und der Einbindung der Zielgruppen: Wie werden die Zielgruppen aktiv in die Entwicklungspartnerschaft einbezogen?

Als strategischer und wichtiger Ansprechpartner konnten die Passauer Arbeitsloseninitiative (PALI) gewonnen werden. Neben PALI werden auf strategischen oder anderen offiziellen Veranstaltungen (z.B. Auftaktveranstaltung) Betroffene und Teilnehmer eingeladen, die Situation auf dem Arbeitsmarkt aus ihrer Sicht zu schildern. Grundsätzlich möchte Equal-Ostbayern-GmbH noch andere Selbstorganisationen der Zielgruppen als strategische Partner gewinnen, doch die betroffenen Zielgruppen sind kaum organisiert. Daher will die Geschäftsstelle auf der Homepage ein Diskussionsforum zum Thema "Beschäftigung in Ostbayern" einrichten, das als Plattform dienen soll. Die Internet-Adresse soll in den Arbeits-, Sozialämtern sowie in Qualifizierungsmaßnahmen etc. verbreitet werden. Zudem arbeiten die Coachs, die Kursleiter und Personaldisponenten der verschiedenen Maßnahmen eng mit den betroffenen Zielgruppen zusammen, sodass ein Informations- und Kommunikationsfluss gewährleistet ist. Während der gesamten Laufzeit der Equal-Initiative insgesamt sowie in den einzelnen Maßnahmen soll vor allem das Selbsthilfepotential der Zielgruppen gestärkt werden. Weiterhin sollen die Zielgruppen besser in die Maßnahmegestaltung und –bewertung eingebunden werden. Geplant sind außerdem projektübergreifende Teilnehmertreffen. Ziel ist es, eine Art kollektiver Verantwortung und Handlungsfähigkeit der Zielgruppen zu entwickeln sowie die individuelle Handlungskompetenz der Betroffenen zu stärken.